Unfruchtbarkeit (auch Sterilität oder Infertilität) bezeichnet in der Biologie die Unfähigkeit, gesunde Nachkommen hervorzubringen.
Unfruchtbarkeit beim Menschen beschreibt die Unfähigkeit eines Paares, ein gesundes Kind zu zeugen, auszutragen oder zur Welt zu bringen. Ein Paar gilt als steril, wenn trotz bestehenden Kinderwunsches nach einem Jahr regelmäßigem, ungeschützem Geschlechtsverkehr eine Empfängnis ausbleibt. Der Begriff Infertilität hingegen bezeichnet die Unfähigkeit, eine Schwangerschaft bis zur Geburt auszutragen, und sollte nur nach dem Auftreten von mehreren Fehlgeburten verwendet werden. Diese Auffassung orientiert sich an der Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation WHO. Seit einiger Zeit gewinnt auch die Auffassung der ESHRE (Europäische Gesellschaft für Humane Reproduktion und Embryologie) zunehmend an Bedeutung, die erst nach zwei Jahren von Sterilität sprechen will und damit den veränderten Lebensbedingungen in den westlichen Industrienationen Rechnung trägt, zum Beispiel der größeren Mobilität der Partner.
Unfruchtbarkeit ist nicht selten. In Mitteleuropa hat heutzutage etwa jedes sechste Paar Mühe bei der Erfüllung des Kinderwunsches. 10% der Paare benötigen länger als 2 Jahre, um Kinder zu bekommen. 3-4% der Paare bleiben ungewollt kinderlos.
Etwa ein Drittel der Unfruchtbarkeit beruht auf rein weiblichen Ursachen, ein Drittel auf rein männlichen Ursachen und bei einem Drittel der Fälle sind kombinierte Ursachen zu finden.
Je später der Wunsch zur Familiengründung, desto höher die Unfruchtbarkeit. Manski, D.: Online Lehrbuch der Urologie. http://www.urologielehrbuch.de/infertilitaet.html Der Brockhaus multimedial 2006 premium. Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus AG, Mannheim 2006 Außerdem steigt mit zunehmendem Alter das Risiko einer Fehlgeburt an.
Faktoren die zur Unfruchtbarkeit führen können:
Primäre Sterilität bezeichnet das Nichteintreten einer Schwangerschaft nach einem Jahr regelmäßigen Geschlechtsverkehrs ohne Verhütungsmittel bei einer Frau, die noch nie konzipiert hat. Unter sekundärer Sterilität versteht man das Nichteintreten einer Schwangerschaft nach einem Jahr regelmäßigen Geschlechtsverkehrs ohne Verhütungsmittel bei einer Frau, bei der mindestens eine Schwangerschaft (gleichgültig ob es sich um einen Abort oder eine Extrauteringravidität gehandelt hat) vorausgegangen ist.
Der Hauptfaktor ist hier die Qualität des Spermas; der Mann kann zu wenige oder keine Spermien produzieren, oder die produzierten Spermien können zu unbeweglich sein oder aufgrund verschlossener Samenleiter nicht nach außen gelangen. Die Diagnostik sollte diesbezüglich bei einem Arzt mit der Zusatzqualifikation Andrologie erfolgen.
Alkohol- und Drogenmissbrauch können genau wie Umweltschadstoffe oder die berufsbedingte Schadstoffexposition die Samenqualität beeinflussen. Auch Krankheiten wie Bauchhoden, Leistenhoden oder Mumps können zu lebenslänglich verminderter Samenqualität führen. Temporär kann die Qualität der Spermien durch den Besuch von Sauna oder Whirlpool beeinträchtigt werden, da die Hitze die Spermien zerstören kann. Nach der Hitzeeinwirkung gebildete Zellen werden davon jedoch nicht beeinflusst.
Seltene Ursachen können Körperfunktionsstörungen oder eine retrograde Ejakulation sein, d.h. das Sperma wird bei der Ejakulation in die Harnblase anstatt zur Penisöffnung geleitet.
Untersuchungen zeigen ferner, dass die Samenqualität mit dem Alter abnimmt.
Außerdem kann ionisierende Strahlung eine Unfruchtbarkeit verursachen. Zum Schutz tragen sowohl Patienten als auch Personal die Röntgenstrahlen ausgesetzt werden, eine Schürze aus Blei, die die Geschlechtsorgane vor der Strahlung schützt.
In wenigen Fällen kann der Vaginaltrakt eine immunologische Reaktion gegen Bestandteile des Spermas – nicht gegen die Spermien selbst – aufweisen.
Für das weibliche Immunsystem ist es nicht selbstverständlich, einen Embryo, der zur Hälfte aus fremden Genen besteht, im eigenen Körper zu dulden. Im Extremfall verhindert eine Immunreaktion die Befruchtung, in seltenen Fällen kann eine immunologische Inkompatibilität der Gene Unfruchtbarkeit verursachen. Auch im Vorfeld der Fortpflanzung kann es zu weiblichen Immunreaktionen gegen Teile von männlichen Sexualsekreten kommen. Forscher haben herausgefunden, dass bestimmte Sexualpraktiken helfen können, die für eine Befruchtung notwendige Immuntoleranz der Frau aufzubauen (vergl. untenstehenden Weblink).
Die Diagnostik bei einem unerfüllten Kinderwunsch gehört immer in die Hände von Spezialisten. Grundsätzlich müssen dabei sowohl der Mann als auch die Frau mitwirken, da bei beiden mögliche Ursachen (s.o.) liegen können.
Als erstes wird grundsätzlich eine umfassende Anamnese erhoben. Dabei erfragt der behandelnde Arzt: Wie lange besteht bei Ihnen ein Kinderwunsch? Waren Sie schon früher wegen Ihres Kinderwunsches in ärztlicher Behandlung? Haben Sie eine eigene Erklärung für Ihre Kinderlosigkeit? Wie sehr leiden Sie beide unter der Kinderlosigkeit? Was hat sich in Ihrem Leben seit der Unfruchtbarkeit verändert (Partnerschaft, Beruf, Selbstwertgefühl)?
Zur Untersuchung des Mannes gehören:
Zur Untersuchung der Frau gehören:
Es gibt verschiedene Möglichkeiten Unfruchtbarkeit zu behandeln, abhängig von der Ursache:
Für die angewendeten Therapien gibt es folgende Erfolgserwartungen:
Hormonstimulation mit Tabletten 1 bis 10 Prozent Erfolgsrate
Hormonstimulation und Insemination 10 bis 12 Prozent Erfolgsrate
IVF/ICSI 20 bis 30 Prozent Erfolgsrate
Bei begleitenden Behandlungen mit Akupunktur wurden in mehreren unabhängigen Untersuchungen deutliche höhere Erfolgsraten bis zur 47% festgestellt.
Es gibt viele moralische Debatten, die sich mit Unfruchtbarkeit und ihrer Behandlung beschäftigen, mit besonderer Rücksicht auf beteiligte Embryonen. Manche Religionen missbilligen einige oder sogar alle Fruchtbarkeitsbehandlungen, andere Religionen haben keinerlei Probleme damit.
Eine Nebendiskussion beschäftigt sich damit, ob die Behandlung durch gesetzliche Krankenkassen finanziert werden sollte – und wenn ja, wie oft.
Ein unerfüllter Kinderwunsch wird von vielen Betroffenen als Schicksalsschlag erlebt und ruft psychischen Schmerz und Trauer hervor. Unfruchtbarkeit und Unfruchtbarkeitsbehandlung gehen vielfach mit Stress und mit einem höheren Risiko einer posttraumatischen Belastungsstörung einher.
Im tiefenpsychologischen Sinn steht die Unfruchtbarkeit einer Person oder eines Volkes (eines Landes) für einen Mangel an Schaffenskraft, Kreativität und Stärke, wie in Genesis 16,1, wo die Unfruchtbarkeit Sarais beschrieben wird.
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