Endometriose ist eine gutartige, aber schmerzhafte chronische Wucherung von Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) außerhalb der Gebärmutter.
Perforierte Endometriosezyste des linken Eierstocks Die Endometriose ist eine häufige gynäkologische Erkrankung. Etwa 4–12 % aller Frauen erkranken in der Zeit zwischen der Pubertät und den Wechseljahren; in Deutschland erkranken jedes Jahr etwa 40.000 Frauen. Die Endometriose wird häufig erst spät diagnostiziert. Durchschnittlich vergehen zwischen ersten Symptomen und der Stellung der Diagnose sechs Jahre. Die Patientinnen sind bei Diagnosestellung im Mittel 28 Jahre alt. Die Krankheit kann auch bei Mädchen vor der Pubertät auftreten. Sie ist in dieser Altersgruppe zwar selten, sollte aber trotzdem in die Differenzialdiagnose einbezogen werden.Ebert AD, Fuhr N, David M, Schneppel L, Papadopoulos T : Histological Confirmation of Endometriosis in a 9-Year-Old Girl Suffering from Unexplained Cyclic Pelvic Pain since Her Eighth Year of Life, Gynecol Obstet Invest. 2008 Dec 11;67(3):158-161, PMID 19077389
Wie die normale Gebärmutterschleimhaut verändern sich auch die Endometrioseherde während des Menstruationszyklus. Die Endometriose befällt meist den unteren Bauch- bzw. Beckenraum. Häufig sind dabei die Eierstöcke betroffen. Eine Ausbreitung auf die Scheidenwand und den Darm sind nicht selten. Sehr selten wurden Herde in der Lunge und im Gehirn beschrieben.
Endometrioseherde am Bauchfell Die Ursachen für die Entstehung der Endometriose sind noch immer nicht vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass in erster Linie eine Verschleppung von vitalen Schleimhautzellen im Menstruationsblut über die Eileiter in die Bauchhöhle, dies in Verbindung mit einer angeborenen muskulären Überaktivität der Gebärmutter, stattfindet. Eventuell kann es sich auch um eine hormonell begünstigte Veränderung (Metaplasie) von embryonalen Bauchhöhlenzellen (Coelomepithel) handeln. Von vielen Wissenschaftlern werden auch sogenannte Umwelthormone wie beispielsweise PCB, DDT oder Dioxine für eine Häufigkeitszunahme dieser Erkrankung verantwortlich gemacht. Diese Substanzen wirken unter anderem ähnlich wie das Hormon Östrogen und könnten damit eventuell das endokrine System bereits während der vorgeburtlichen Phase durcheinander bringen.
Betroffen sind meist Frauen im gebärfähigen Alter. In der Regel tritt die Krankheit erkennbar aber erst zwischen dem 23. und 27. Lebensjahr auf. Es wurden jedoch bereits Fälle vorpubertärer Endometriose beschrieben – bisher allerdings ohne wissenschaftliche Bestätigung. Während der Menopause bilden sich die Endometriosen fast immer zurück.
Hauptrisikofaktor ist die Menstruation selbst. Frauen mit frühem Einsetzen der Menstruation und später Menopause haben ein erhöhtes Risiko. Frauen, welche ihre Regelblutung durch die ständige Einnahme von hormonellen Kontrazeptiva unterdrücken, haben ein geringeres Risiko an Endometriose zu erkranken. Ebenso zeigt sich bei Frauen mit einem kurzen Zyklus unter 28 Tagen und einer regelmäßigen Blutungsdauer über sieben Tagen ein erhöhtes Risiko. Auch Frauen bei denen Familienmitglieder bereits erkrankt sind zeigen ein höheres Auftreten der Erkrankung. Als weiterer Risikofaktor gilt Übergewicht.
Endometrioseherde im Douglas-Raum und auf dem rechten Lig. sacrouterinum Leitsymptome der Endometriose sind mit dem Menstruationszyklus verbundene krampfartige Schmerzen von zunehmend größerer Intensität als "normale" Regelschmerzen, aber auch chronische Bauch- und Rückenschmerzen sind möglich. Bei Befall des Douglas-Raum können auch Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, oder schmerzhafter oder erschwerter Stuhlgang auftreten. Ebenso sind Schmerzen beim Harnlassen beschriebenFarquhar C : Endometriosis, BMJ, 2007 Feb 3;334(7587):249-53, PMID 17272567, Online verfügbar als pdf zuletzt abgerufen am 29. Dezember 2008M Kaufmann, A Pfleiderer : Tumoren und Veränderungen der weiblichen Geschlechtsorgane in M Breckwoldt, M Kaufmann, A Pfleiderer (Hrsg.) : Gynäkologie und Geburtshilfe, Stuttgart, 2008 S. 205-208 Die Regelschmerzen korrelieren dabei nicht mit der Größe der Endometrioseherde noch mit einer speziellen anatomischen Lage. Die Entstehung der Dauerschmerzen ist mit einer starken Ausdehnung der Herde vergesellschaftet. Man geht davon aus, dass tief gehende Endometrioseinseln kleinste Nerven im Beckenraum entweder durch Kompression oder durch Infiltration reizen.Fauconnier A, Chapron C : Endometriosis and pelvic pain: epidemiological evidence of the relationship and implications, Hum Reprod Update. 2005 Nov-Dec;11(6):595-606. Epub 2005 September 19, PMID 16172113, Online verfügbar als pdf zuletzt abgerufen am, 29. Dezember 2008 Bei rund der Hälfte der Patientinnen ist die Krankheit mit keinen oder nur geringen Symptomen behaftet. Sobald die Endometriose aber Symptome verursacht ist sie für viele Patientinnen sehr belastend. Laut einer britischen Studie sind die Patientinnen im Schnitt 45 Tage im Jahr arbeitsunfähig, was den Leidensdruck unterstreicht.
Fast alle Endometriose-Patientinnen benötigen Schmerzmittel in steigender Dosierung.
Viele Endometriosepatientinnen leiden unter unerfülltem Kinderwunsch (Unfruchtbarkeit). Ursache hierfür dürfte zum einen die muskuläre Überaktivität der Gebärmutter mit der Folge einer verkürzten Verweildauer der Spermien im Eileiter sein. Als Nebeneffekt dieser Überaktivität kommt es zu einer vermehrten Anhäufung von genetisch fremden Spermien in der Bauchhöhle und einer Überaktivierung des Immunsystems. Gleiche Effekte entstehen durch den „chronischen Reizzustand“, welchen die Endometrioseherde in der Bauchhöhle auslösen. Anzunehmen ist daher, dass Spermien innerhalb von Gebärmutter und Eileiter und auch eine befruchtete Eizelle als „genetisch fremd“ wie ein Organtransplantat angegriffen werden. Zum anderen kann eine Endometriose nicht selten zu Verwachsungen von Eileitern und Eierstöcken mit Störung der Eizellaufnahme und auch zu Verschlüssen der Eileiter führen.
Viele Frauen, die ungewollt kinderlos bleiben, erfahren erst im Rahmen der Ursachenforschung (Sterilitätsdiagnostik) von ihrer Endometriose. Wegen ihres oft schmerzfreien Verlaufs kann sie zu spät erkannt werden.
Einteilung gemäß der WHO:K. Goerke, A. Valet: "Kurzlehrbuch Gynäkologie und Geburtshilfe", 6. Auflage, Seiten 154–156, Elsevier, München 2006
Bei Patientinnen, bei denen ein Verdacht auf Endometriose besteht, ist zuerst eine genaue Anamnese zum Auftreten und dem Charakter der Schmerzen notwendig. Bereits daraus kann oft eine glaubhafte Verdachtsdiagnose abgeleitet werden. Die manuelle Untersuchung des Beckens kann nur bereits sehr große Endometrioseherde entdecken. Durch eine transvaginale Ultraschalluntersuchung können große Endometrioseherde entdeckt werden. Die Krankheit kann dadurch aber bei negativem Befund keineswegs ausgeschlossen werden. Die einzige Untersuchung, die eine Endometriose mit Sicherheit bestätigen oder ausschließen kann, ist eine Laparoskopie. Dabei werden durch kleine Schnitte in der Bauchwand Endoskope in den Bauchraum eingebracht, so dass die Bauchhöhle über eine Fiberglasoptik betrachtet werden kann. Da die Laparoskopie einen operativen Eingriff darstellt, sollte bei Patientinnen, die keinen schweren Verlauf zeigen, zuerst auf Verdacht medikamentös anbehandelt werden. Beim Versagen der Therapie oder einer zu starken Belastung durch die Erkrankung sollte eine Operation zur Diagnosesicherung und Behandlung durchgeführt werden.